Die Schweiz verbraucht pro Jahr rund 230 Terawattstunden (TWh) Endenergie. Fast die Hälfte davon — rund 100 TWh — entfällt auf Gebäude. Und der mit Abstand grösste Posten innerhalb der Gebäude? Die Raumheizung. Wer seinen Energieverbrauch in der Schweiz wirklich senken will, muss bei der Heizung anfangen. Dieser Artikel zeigt die Zahlen, vergleicht Heizsysteme nach tatsächlichem Verbrauch und erklärt, warum Zonenheizung mit Infrarotpaneelen den Gesamtverbrauch stärker senken kann, als viele erwarten.

~100 TWh
Jährlicher Energieverbrauch der Schweizer Gebäude (BFE-Daten)
~70%
Anteil der Raumheizung und Warmwasser am Gebäude­energie­verbrauch
90%
Anteil CO₂-armer Quellen am Schweizer Strommix (Wasser + Kern)

Wo geht die Energie hin? Der Schweizer Verbrauch im Überblick

Laut dem Bundesamt für Energie (BFE) teilt sich der Schweizer Endenergieverbrauch grob in drei Sektoren auf:

  • Gebäude: ~45 % — davon rund 70 % für Raumheizung und Warmwasser
  • Verkehr: ~35 % — Personenwagen, Güterverkehr, Bahn
  • Industrie und Dienstleistungen: ~20 % — Prozesswärme, Maschinen, Beleuchtung

Das bedeutet: Rund ein Drittel des gesamten Schweizer Energieverbrauchs geht allein in die Beheizung von Wohnungen, Büros und Gewerberäumen. Die Schweiz hat über 1.8 Millionen Gebäude, und mehr als die Hälfte davon wird heute noch mit fossilen Brennstoffen beheizt — Heizöl und Erdgas. Das sind gemäss BFE rund 900'000 Ölheizungen und 300'000 Gasheizungen, die zusammen jährlich über 6 Millionen Tonnen CO₂ ausstossen.

Kontext: Die Energiestrategie 2050 und das seit 2025 geltende Klimaschutzgesetz (KIG) zielen darauf ab, diesen fossilen Anteil schrittweise auf null zu senken. Der Heizungssektor ist das grösste einzelne Handlungsfeld.

Heizenergie nach System: Wer verbraucht wie viel?

Nicht jede Heizung verbraucht gleich viel Energie für das gleiche Ergebnis. Die folgende Tabelle zeigt den typischen Endenergieverbrauch verschiedener Heizsysteme pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr — sowie die ungefähren jährlichen Kosten für eine 100-m²-Wohnung zu aktuellen Schweizer Preisen (Stand 2026).

Heizsystem kWh/m²/Jahr CHF/Jahr (100 m²) CO₂/Jahr
Ölheizung (Altbau) 150–180 1'650–2'500 3.9–4.7 t
Gasheizung (Altbau) 120–150 1'440–2'250 2.8–3.5 t
Elektro-Speicherheizung 80–120 2'240–3'360 0.1–0.2 t*
Wärmepumpe (COP 3.5) 15–25 420–700 ~0.03 t*
Infrarot — Ganzraumheizung 60–80 1'680–2'240 0.08–0.1 t*
Infrarot — Zonenheizung 30–50 840–1'400 0.04–0.06 t*

* CO₂-Werte basieren auf dem Schweizer Strommix (90 % erneuerbar/CO₂-arm). Mit eigener PV-Anlage sinkt der Wert auf nahezu null. Preise: Strom CHF 0.28/kWh, Heizöl CHF 0.11/kWh, Erdgas CHF 0.12/kWh. Quellen: BFE, eigene Berechnungen.

Ehrlicher Hinweis: Die Wärmepumpe hat den niedrigsten Endenergieverbrauch — sie nutzt Umgebungswärme und braucht nur ein Viertel der Energie einer Ölheizung. Als Ganzraumheizung ist sie einer Infrarotheizung überlegen. Die Stärke der Infrarotheizung liegt in der Zonenheizung: Sie heizt nur dort, wo Sie sich tatsächlich aufhalten. Mehr zu den ehrlichen Grenzen in unserem Artikel Infrarotheizung Nachteile.

Warum Zonenheizung den Verbrauch so stark senkt

Die meisten Schweizer Heizungen sind Zentralheizungen. Sie beheizen jedes Zimmer im Haus, auch wenn Sie abends nur im Wohnzimmer sitzen. In einer typischen 5-Zimmer-Wohnung werden im Durchschnitt nur 2–3 Räume gleichzeitig genutzt — der Rest wird umsonst warm gehalten.

Infrarotheizungen arbeiten als dezentrale Zonenheizung. Jeder Raum hat sein eigenes Paneel mit eigenem WiFi-Thermostat. Nicht benutzte Räume bleiben auf einer niedrigen Basistemperatur (z.B. 16 °C), aktiv genutzte Räume werden innerhalb von Minuten auf Wohlfühltemperatur gebracht.

Rechenbeispiel: 100-m²-Wohnung

  • Zentralheizung: Alle 100 m² werden auf 21 °C beheizt → ~120 kWh/m²/Jahr → 12'000 kWh Gesamtverbrauch
  • Zonenheizung: 40 m² aktiv beheizt (Wohnzimmer, Schlafzimmer, Büro), 60 m² auf 16 °C Basistemperatur → effektiv ~50 kWh/m²/Jahr → 5'000 kWh Gesamtverbrauch
  • Einsparung: rund 7'000 kWh oder CHF 1'960/Jahr weniger Stromkosten

Dazu kommt der Strahlungswärme-Effekt: Infrarotpaneele erwärmen Wände, Möbel und Personen direkt — nicht die Luft. Das menschliche Wärmeempfinden wird bei Strahlungswärme bereits bei 1–2 °C niedrigerer Raumtemperatur als angenehm empfunden. Eine weitere Einsparung von rund 6–12 % pro Grad weniger Lufttemperatur.

Zusammengefasst: Zonenheizung + Strahlungswärme können den Heizenergieverbrauch um 40–60 % gegenüber einer Zentralheizung reduzieren — nicht durch effizientere Energieumwandlung, sondern durch gezielteren Einsatz der Wärme.

Der Schweizer Strommix: Ein entscheidender Vorteil

Ein häufiges Argument gegen elektrische Heizungen: «Strom ist zu teuer und zu schmutzig.» In der Schweiz stimmt das zweite Argument nicht. Das Schweizer Stromnetz ist zu rund 90 % CO₂-arm: Der grösste Teil stammt aus Wasserkraft (~60 %), ergänzt durch Kernenergie (~30 %) und einen wachsenden Anteil Solar- und Windenergie.

Das bedeutet: Jede kWh Strom, die Sie in der Schweiz für Heizung verwenden, verursacht nur einen Bruchteil der CO₂-Emissionen einer kWh aus Heizöl oder Erdgas. Und mit einer eigenen Photovoltaikanlage auf dem Dach sinkt der CO₂-Fussabdruck Ihrer Heizung auf praktisch null.

Historischer Trend: Die Schweiz heizt weniger — aber noch nicht wenig genug

Zeitraum Entwicklung
2000 Energieverbrauch Gebäude auf Höchststand. Über 60 % der Schweizer Heizungen laufen mit Heizöl.
2010 Wärmepumpen gewinnen Marktanteile. Gebäudesanierungen nehmen zu, dank kantonaler Förderprogramme.
2020 Energieverbrauch pro m² sinkt um ~20 % gegenüber 2000 — aber die Gesamtfläche wächst, was den absoluten Verbrauch stabilisiert.
2025 Klimaschutzgesetz tritt in Kraft. Kantone setzen MuKEn 2025 um: fossile Heizungen und Elektroheizungen ohne Eigenstromdeckung werden schrittweise eingeschränkt.
2050 Ziel: Netto-Null-Emissionen. Der gesamte Gebäudebestand soll ohne fossile Brennstoffe beheizt werden.

Was Hausbesitzer jetzt tun können

Vier konkrete Massnahmen, die den Heizenergieverbrauch Ihres Gebäudes spürbar senken — sortiert nach Aufwand und Wirkung:

1. Heizverhalten anpassen (kostenlos, sofort)

Raumtemperatur um 1 °C senken spart rund 6 % Heizenergie. Nicht genutzte Räume auf 16–17 °C halten. Nachts die Temperatur absenken. Einfach, aber wirksam.

2. Gebäudehülle verbessern (mittlerer Aufwand)

Fenster, Dach und Kellerdecke sind die grössten Wärmeverlustquellen im Altbau. Bereits der Ersatz alter Fenster durch Dreifachverglasung kann den Heizenergiebedarf um 10–15 % senken. Kantone bieten dafür Förderbeiträge über das Gebäudeprogramm.

3. Heizsystem wechseln (grössere Investition, grösste Wirkung)

Der Wechsel von einer Ölheizung auf eine Wärmepumpe oder Infrarot-Zonenheizung mit PV reduziert den Primärenergieverbrauch um 60–80 %. Je nach Kanton stehen Fördergelder zwischen CHF 5'000 und CHF 15'000 zur Verfügung. Wichtig: Die kantonalen Vorschriften zum Elektroheizungsverbot beachten — insbesondere die Solar-Ausnahme.

4. Zonenheizung mit Infrarot einführen (schnelle Nachrüstung)

Infrarotpaneele lassen sich ohne Umbau installieren — Steckdose genügt. Ideal für Altbauten, Ferienwohnungen oder als Ergänzung zur bestehenden Heizung. Ein einzelnes SunWave-Paneel (250/350 W) erwärmt einen Raum von bis zu 25 m². Die Kombination mit einem WiFi-Thermostat ermöglicht automatische Zonensteuerung und Zeitschaltung.

Häufige Fragen

Wie viel Energie verbraucht die Schweiz für Heizung?

Rund 45 % des gesamten Endenergieverbrauchs der Schweiz entfallen auf Gebäude. Davon geht der grösste Anteil — etwa 70 % — in die Raumheizung und Warmwasseraufbereitung. Das entspricht laut Bundesamt für Energie (BFE) rund 100 TWh pro Jahr, wovon über die Hälfte aus fossilen Brennstoffen (Heizöl und Erdgas) stammt.

Welches Heizsystem hat den niedrigsten Energieverbrauch pro m²?

Wärmepumpen haben den niedrigsten Endenergieverbrauch pro Quadratmeter: rund 15–25 kWh/m² pro Jahr, weil sie Umgebungswärme nutzen (COP 3–4). Infrarotheizungen im Zonenheizungsbetrieb liegen bei 30–50 kWh/m², konventionelle Elektroheizungen bei 80–120 kWh/m². Ölheizungen benötigen 130–180 kWh/m² Primärenergie.

Was kostet eine kWh Heizenergie in der Schweiz?

Der Schweizer Durchschnittspreis für Strom liegt bei rund CHF 0.28/kWh (2026). Heizöl kostet umgerechnet etwa CHF 0.11–0.14/kWh und Erdgas rund CHF 0.12–0.15/kWh. Eine Wärmepumpe mit COP 3.5 kommt effektiv auf etwa CHF 0.08/kWh Nutzwärme.

Wie kann Infrarotheizung den Energieverbrauch senken?

Infrarotheizungen arbeiten als Zonenheizung: Sie erwärmen gezielt einzelne Räume statt das gesamte Gebäude. Ungenutzte Zimmer bleiben kalt. Dadurch sinkt der tatsächliche Heizenergieverbrauch um 30–50 % gegenüber einer zentralen Vollraumheizung. Zusätzlich erwärmt Strahlungswärme Wände und Möbel direkt, was das Wärmeempfinden bei niedrigerer Lufttemperatur verbessert.

Ist das Schweizer Stromnetz sauber genug für Elektroheizungen?

Ja. Rund 90 % des Schweizer Stroms stammen aus erneuerbaren oder CO₂-armen Quellen — vorwiegend Wasserkraft und Kernenergie. Eine Infrarotheizung, die mit Schweizer Netzstrom betrieben wird, verursacht deutlich weniger CO₂ pro kWh Nutzwärme als eine Öl- oder Gasheizung. Mit eigener PV-Anlage sinkt der CO₂-Ausstoss auf nahezu null.

Was ist der Unterschied zwischen Endenergie und Primärenergie?

Endenergie ist die Energiemenge, die bei Ihnen zuhause ankommt — die kWh auf Ihrer Stromrechnung oder die Liter Heizöl. Primärenergie umfasst zusätzlich die Verluste bei Gewinnung, Transport und Umwandlung. Bei Heizöl liegt der Primärenergiefaktor bei etwa 1.2, bei Schweizer Strom je nach Zusammensetzung bei 1.5–2.0.

Energieverbrauch senken mit Zonenheizung

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